Pünktlich um 7:30 klingelte mein Wecker.
Warum so früh mag sich der ein oder andere Leser fragen – nun, weil es ein Montag ist, und mein Wecker wochentags nunmal um die Zeit klingelt, egal ob ich zur Arbeit muss oder eben Urlaub habe. Naja, an weiterschlafen war nicht mehr zu denken, die Betten im Ritz-Carlton sind sehr weich – genauso wie die Kopfkissen, von denen zwei übereinander am nächsten morgen eine Höhe von zwei Fingern haben. Also mit leichten Rückenschmerzen den Schlaf aus den Augen gerieben.
Im Halbschlaf habe ich den Fehler gemacht den Fernseher einzuschalten und den noch größeren Fehler gemacht, Nickelodeon zu starten. Ich werde auch in Jahren noch Albträume (wehe das schreibt einer mit “p”) haben, wenn ich an die Sprüche dort denke: “Ihr habt Gleithörnchen geholfen, die Baby-Vögel zu retten – HURRA” … Später kam noch die “Wukizuki-Feuerwehr” oder so ähnlich …
Gut, irgendwann ging es dann zum Frühstück und ab da merkt man nicht mehr, dass man sich in einem 5-Sterne Superior Hotel befindet. Da laufen Menschen mit zerrissenen Jeans, Trainingshose, Kaputzenpulli oder verwachenem gelben Schlabber-T-Shirt rum – ich konnte leider nicht sehen, ob Familie Flodder weiter hinten im Raum Gummistiefel getragen hat. Man muss ja nicht gleich im Anzug oder Abendkleid rumlaufen, aber tut es nicht ein Hemd oder zumindest ordentlicher Pullover?
Die Auswahl am Buffett (wie schreibt man das eigentlich?) war ok, aber so überragend wie viele schreiben ist es dann auch nicht. Wenn ich da an z.B. den Alsterhof in Berlin denke mit seinen “nur” 4 Sternen, dann ist das Frühstück durchaus vergleichbar. Der eine hat mehr Wurst, beim anderen gibt es mehr Fisch und Kaviar. Mal mehr Joghurt, mal mehr Müsli usw. usf. … aber das ist meckern auf hohem Niveau, man verhungert nicht.
Nach dem Frühstück haben wir ausgecheckt und sind ins Zeithaus um uns einige Modelle, die wir am Vortag nur im vorbeirauschen gesehen haben genauer anzuschauen. Im Zeithaus hängen Monitore, in denen die Abholerzeiten, Namen, Autohäuser und Kreise für die nächste Stunde angezeigt werden – endlich, da steht es, wir sind dabei.
Schnell noch die 20 Euro Guthaben im Souvenir-Shop in eine Fleecedecke und einen Schlüsselanhänger investiert und rüber in die Abholerwelt.
Nach der Anmeldung um etwa 11:15 Uhr am Tresen begann dann das lange Warten. Alle paar Minuten kamen 1-2 neue Aufrufe auf der Anzeigetafel hinzu. Um kurz vor halb dann ein Schwung von 10 neuen Aufrufen, aber wir waren nicht dabei. Langsam hatten wir keine Lust mehr, aber es dauerte noch bis 11:55, dann machten wir uns auf den Weg zu Treffpunkt B.
Uns begrüßte ein freundlicher Mitarbeiter und führte uns hinab zu unserem VW Touran. Da stand er nun, schwarz, einsam, aber ein Highline – sind wir eigentlich die einzigen Menschen auf diesem Planeten, die einen Touran Highline bestellt haben, weil die Comfortline-Sitze einfach nur grausam sind? Uns wurde die Standheizung und Beifahrer-Spiegelabsenkung erklärt, den Rest kannten wir schon. Eine Prüfung der Spaltmaße und eine Suche nach Fehlern im Lack blieb ergebnislos, wir konnten lediglich wegen ein paar Flecken auf dem Armaturenbrett meckern. Nun noch schnell ein Foto gemacht und es ging los. Mit 9km auf dem Kilometerzähler haben wir den 1,4l TSI-Motor mit 140PS gestartet. Dann ging es raus aus der Halle (RedBull gibt es scheinbar nicht mehr) und die ersten 200m im DSG geschalteten neuen Auto auf den Neuwagenparkplatz. Da war es auch schon 12:50, da war doch noch was?
Stimmt, 13 Uhr die Werktour, also schnell zum Abfahrtspunkt gehechtet und auf den Shuttle gewartet. Los ging die Tour über das Werksgelände – bei der ersten Ansage versucht man sich erschrocken die Ohren mit irgendwas zu verstopfen, die ist nämlich brutal laut (später wird einem klar warum das so ist) – mit einigen Infos über die Gebäude. Später geht dann die Fahrt ins innere durch die Werkhallen. Unsere Tour ging durch das Presswerk und die Karosseriebearbeitung von Golf und Tiguan, später noch durch die Endkontrolle von Golf und Tiguan – leider weit und breit kein Touran zu sehen, aber um ehrlich zu sein: Das ist eh völlig wurscht, man sieht einfach nur große Maschinen die lärmend und stinkend ihre Arbeit verrichten. Es geht eher darum einen Einblick in die Maschinerie zu bekommen. Nach einer 3/4 Stunde ist die Fahrt dann vorbei.
Eigentlich waren wir jetzt soweit durch, es waren keine Pflichtveranstaltungen mehr offen und neue Auto hatten wir bereits – wenn da nicht die legendäre VW Currywurst wäre. Was haben wir nicht alles gehört über diese Wurst und den Gewürzketchup. Also sind wir nochmal in die Abholerwelt und dort ins Tachometer gegangen – obwohl wir noch satt vom Frühstück im Ritz-Carlton waren.
Zweimal VW Currywurst mit Pommes – dazu gab es ein paar Blättchen Alibi-Salat, den man auch hätte gut einsparen können. Ich mecker ja gerne rum, aber so besonders ist die VW Currywurst jetzt auch nicht. Sie schmeckt nach Wurst und ist relativ weich. Der Gewürzketchup schmeckt fast nur nach Tomate, ich bin froh, dass ich den Curry-Streuer leergemacht habe und die Pommes … ja … die waren ein Hit. Ich habe noch nie so eklige, matschig weiche und geschmacklose Pommes Frites gegessen. Wir hatten also nun auch keinen Grund mehr uns ein paar Würste und Ketchup zu besorgen.
Um 15 Uhr war dann der zweite Tag in der Autostadt in Wolfsburg beendet. Schnell noch ein wenig Saft ins Auto und dann ging es mit max. 120 km/H (nicht wegen des Einfahrens, sondern wegen der Beschränkungen und Feierabendverkehr) zurück zu den Kindern, die bei Oma und Opa nach zwei Nächten kurz vor dem Amoklauf waren.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass es sich gelohnt hat die Übernachtung zu buchen und auch alle unsere gebuchten Programmpunkte waren die Reise wert. Um sich wirklich etwas näher mit der Autostadt zu befassen reichen aber auch diese zwei Tage bei einer Abholung nicht aus, dafür benötigt man sicherlich noch 1-2 Tage extra.



